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12April2021

Being Max Dax (in German)

Gedanken zu M. Dax und seinem neuen Roman „Dissonanz/Ein austauschbares Jahr“

Gerade eben habe ich ein Buch zu Ende gelesen, das die Pforten zu einigen weiteren Büchern aufgestoßen hat, die mich seit vielen Jahren begleiten und beschäftigen und deren Lektüre ich nur unter großen Schwierigkeiten bewältigen konnte, allein, die Mühe war es wert. Sie war es wert, weil sie mir die Augen öffneten auf Welten, die zwischen der Wahrnehmung des alltäglichen Lebens liegen. Und egal, ob man solche „Zwischenwelten“ nun bemerkt oder nicht, sie sind einfach da und regeln, was nötig ist, damit unser profanes Leben funktionieren kann, wie „Strings“ unseres Daseins, welches sie zu einem zugänglichen, unendlichen Raum durchwirken und verkleben. Diese „weiteren Bücher“ sollte man zu den Standardwerken der „Bibliothek von Babel“ zählen, von der uns Jorge Luis Borges berichtet hat, zum Beispiel „Ulysses“, „Eindrücke aus Afrika“, „Zettels Traum“, „Die Enden der Parabel“, „Alice im Wunderland“, die Bibel, „Der Mann ohne Eigenschaften“. Es kann allerdings gut sein, daß sie alle für sich allein schon eine Version dieser Bibliothek darstellen.

Doch zurück zu meinem wundersamen Buch. Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Werken liest es sich federleicht, öffnet besagte Pforten mit elegantem Schwung und ermutigt, die alten Schinken alle noch mal in Angriff zu nehmen, die man bisher nur halb oder gar nicht verstanden hat. Verfasst hat es der „touche-à-tout“ Weltbürger Max Dax, Publizist, Journalist, Graphiker, Fotograf, Romancier, dandyhafter Anzugträger, Musikfeldforscher, Koch und Gastgeber der unglaublichen „Galerie der Gespräche“, ein hellwacher, anarchischer Erzähler, der schon immer hemmungslos mit den obskuren Verbindungen von Widersprüchlichkeiten herumspielte. Diesem Spieltrieb lässt er in seinem Buch „Dissonanz“ freien Lauf und er eröffnet damit ein Eintauchen in seinen, den Dax’schen Kosmos, wie Alice im freien Fall. Nur das dieser Fall nie endet, sondern in einen taumelnden Schwebezustand übergeht, der gerade wegen seines Taumelns das Verstehen um die vollkommen irrationalen Verknüpfungen dieses Kosmos’ auf äußerst amüsante Weise bewerkstelligt, ein beirrlichterter Spazierflug durch einen prallvollen Jahrmarkt von Assoziationen und seltsamsten Wegbegleitern jedweder Provenienz, Prominenz und kulinarischem Esprit.

Dissonanzen sind das Ergebnis zweier oder mehrerer widersprüchlicher Harmonien, sozusagen das Produkt von parallel existierenden unterschiedlichen Klanguniversen. Das zur Abwechslung mal zu lesen, anstatt zu hören, ist ein berauschendes Abenteuer, zumal es sich um ein nicht-lineares Buch handelt. Man kann es beliebig aufschlagen und überall loslegen und der Zufall ist da der beste Ratgeber. Ich altanaloges Schlachtross habs allerdings, meinen eigenen Erkenntnissen trotzend, von seinem fiktionalen Anfang bis zur letzten Seite gnadenlos durchgelesen. Aber das ist ja auch eine der unendlichen Möglichkeiten, dieses Werk in allen seinen „Dissonanzen“ zu genießen. Absolut empfehlenswert. Überall erhältlich.

Marian Gold

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